Redaktioneller Quellenabgleich vom 9. Oktober 2026: Dieser Beitrag wurde nach dem AI Omnibus aktualisiert. Grundlage sind die Mitteilung der EU-Kommission und die unten verlinkten amtlichen Rechtsquellen. Der ursprüngliche Veröffentlichungszeitpunkt bleibt erhalten.
Was sich im Juli 2026 geändert hat
Die ursprüngliche KI-Verordnung enthielt eine Regelung zur KI-Kompetenz für Anbieter und Betreiber. Die EU-Kommission beschreibt diese bisherige Anforderung für Unternehmen seit dem AI Omnibus ausdrücklich als vereinfacht; Kommission und Mitgliedstaaten übernehmen eine stärkere Rolle bei der Förderung von KI-Kompetenz. Der Änderungsrahmen trat nach der Mitteilung der Kommission am 27. Juli 2026 in Kraft.
Die frühere Aussage, Art. 4 KI-VO begründe für jedes Unternehmen unverändert dieselbe Schulungspflicht, greift deshalb zu kurz. Für eine belastbare rechtliche Einordnung müssen die aktuelle Fassung, die Rolle des Unternehmens und der konkrete Einsatz zusammen betrachtet werden. Die Mitteilung der Kommission ersetzt dabei nicht die Prüfung des maßgeblichen Verordnungstextes.
Drei Fragen vor einem Schulungsprogramm
Welche Anwendungen werden tatsächlich genutzt? Eine Bestandsaufnahme sollte auch KI-Funktionen in Standardsoftware und eigenständig beschaffte Werkzeuge der Fachabteilungen erfassen. Relevant sind der Zweck, die verarbeiteten Daten und die Entscheidungen, die mit dem Ergebnis vorbereitet werden.
Welche Rolle hat das Unternehmen? Entwicklung und Bereitstellung eines Systems unterscheiden sich vom Einsatz eines fremden Werkzeugs. Die Rollenklärung gehört an den Anfang der Prüfung; eine Schulung allein beantwortet weder diese Frage noch die übrigen Anforderungen an das System.
Welche Fähigkeiten brauchen die Beteiligten? Ein Marketingteam, eine Personalabteilung und eine technische Produktentwicklung haben unterschiedliche Aufgaben. Inhalte sollten zu diesen Aufgaben passen: Grenzen der Ergebnisse erkennen, Daten sicher behandeln, Rechte Dritter berücksichtigen und wissen, wann eine menschliche Prüfung erforderlich ist.
Schulung als Teil der Governance
Ein Kurszertifikat ist noch kein funktionierendes Organisationskonzept. Sinnvoll sind klare Freigaben für Werkzeuge, erreichbare Ansprechpartner, Regeln für sensible Informationen und ein Verfahren zum Umgang mit Fehlern. Schulungen sollten diese Abläufe erklären und anhand der tatsächlichen Arbeit üben.
Für eine GmbH kommt daneben die allgemeine Sorgfaltspflicht der Geschäftsführung nach § 43 GmbHG in Betracht. Daraus folgt keine bestimmte Zahl von KI-Schulungsstunden. Welche Organisationsmaßnahmen angemessen sind, hängt von den Umständen ab. Die gesetzliche Sorgfaltspflicht und die aktuelle KI-Verordnung sind deshalb getrennt zu prüfen, statt beide pauschal mit einem Standardkurs gleichzusetzen.
Fiktives Beispiel: KI im Marketing
Ein Marketingteam nutzt ein freigegebenes KI-Werkzeug für Textentwürfe. Ein passendes Konzept kann vorsehen, dass keine nicht freigegebenen personenbezogenen Daten eingegeben werden, Aussagen und Rechte Dritter vor Veröffentlichung geprüft werden und Zweifelsfälle an eine zuständige Person gehen. Die Schulung übt diese Schritte anhand typischer Aufgaben.
Das Beispiel beschreibt eine mögliche organisatorische Gestaltung. Ob zusätzliche gesetzliche oder vertragliche Anforderungen bestehen, muss anhand des konkreten Werkzeugs und Einsatzes geprüft werden; es ist kein Bericht über ein Mandat.
Was dokumentiert werden sollte
- Welche Werkzeuge und Einsatzzwecke geprüft wurden.
- Welche Zuständigkeiten, Freigaben und Grenzen vereinbart sind.
- Welche Schulungsinhalte für welche Rollen vorgesehen sind.
- Wie Fehler, Änderungen am Werkzeug und neue Einsatzgebiete behandelt werden.
- Auf welcher Fassung der Rechtsgrundlagen die Entscheidung beruht und wann sie überprüft wurde.
Eine solche Dokumentation macht Entscheidungen nachvollziehbar. Sie ersetzt weder eine erforderliche Rechtsprüfung noch einen tatsächlichen sicheren Umgang mit dem System.

